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Allen die sich wegen dem gekippten #Heizungsgesetz nun beschweren erzähle ich hier meine Geschichte. In die Großstadt hineingewachsene Arbeitersiedlung. 3-Familienhäuser mit Baujahr 1933 in einem heute gar nicht mehr zulässigen 3m Abstand zueinander, vom einen Horizont bis zum anderen. Ich hab 2014 generalsaniert, gedämmt und musste und wollte damals schon einen Erneuerbarenanteil einbauen. Solarkollektoren für Warmwasser hätten mehr Dachfläche gebraucht, Umbau des (eh sanierungsbedürftigen) Walmdachs in eine Dachform, die zur Straße hin weiterhin so aussehen würde wie ein Walmdach, aber zur Gartensüdseite hin mehr Fläche für Solarkollektoren böte, wurde aus ästhetischen Gründen wegen einer, weil für den Gesamtgemeinderat der Stadt irrelevanten, nur für meine Straße geltenden, und somit quasi nie mehr abschaffbaren Ortsbausatzung aus 1933 verweigert. Wärmepumpe mit Tiefenbohrung schied aus weil Stuttgarter Mineralwasser (das bei uns nicht ist, aber wir gehören halt verwaltungsgemäß zu Stuttgart, wo irgendwo auch Mineralwasser ist, es lebe die Bürkorkatie). Hof/Garten zu klein für Flächenkollektor. Was blieb war allein die Luft-Wasser-Wärmepumpe. Die steht bekanntermaßen draußen und macht einen gewissen Lärm, und bei 3m Hausabstand ist das ein Spaß, ein Nachbar prozessiert bis heute auf Stilllegung. Würde ich die Wärmepumpe so betreiben, dass ich wirklich die 60 % Energie "erneuerbar" (naja, wo auch immer unser Strom herkommt) erzeuge, so würde er mit dem Prozess auch durchkommen, ich betreib sie jetzt halt nur im Leichtlastmodus und mache den Rest mit Gas (Hybridanlage). Würden alle hier so ein Ding vor dem Haus haben, könnte man hier wirklich vor lauter Lärm nicht mehr leben. Ich bin nun einer, der das im Viertel gemacht hat, viel Geld in die Hand genommen und selbst damit nicht bei dem gewünschten Erneuerbarenanteil rausgekommen, wegen einem Mix aus technischen Gegebenheiten und unsinniger Bürokratie. Alle anderem werden das nicht machen, gerade angesichts meiner Erfahrungen. In diesem Viertel geht erneuerbar nur mit einem Fernwärmenetz. Und das halte ich für die blödste aller Ideen. Fernwärme mag bei kleineren Neubaublöcken mit einer großen Wärmepumpe für sagen wir ein Karree von Häusern noch Sinn ergeben. Aber bei uns das ganze Dorf mit Fernwärme? Das wäre der direkte Weg in sowjetische Verhältnisse. Und wann kommt die Fernwärme und was machen Hausbesitzer, deren Heizung kaputt geht, bevor die Fernwärme da ist? Es bleibt bei uns daher aufgrund technischer Realitäten vorläufig nichts anderes als eine dezentrale Energiequelle mit einem leicht transportablen Energieträger. Biogas. Wasserstoff, mehr geht da nicht. Irgendwann erfindet vielleicht jemand noch was besseres. Sonst fällt mir da einfach nichts ein außer: Viertel einreißen, mit doppelt bis dreifach so viel Abstand neu bauen. Das ist aber auch nicht wirklich nachhaltig. Das Habeck'sche Heizungsgesetz ging einfach an ganz vielen Realitäten vorbei und deswegen musste das zwangsläufig kippen, wir wären sonst ebenfalls in sowjetischen Realitäten gelandet, in denen Gesetze gelten, aber ein relevanter Bevölkerungsteil gar keine Chance hat, sie einzuhalten. Ceterum Censeo: Hausbesitzer staatlich zu irgendwas zwingen wollen ist der völlig falsche Weg. Man muss ihnen einfach sinnvolle Lösungen bieten, dann nehmen sie die auch bei der nächsten Renovierung. Wie mein Beispiel anschaulich zeigt, hätte bereits eine schlichte Deregulierung (also genau das Gegenteil zu Habeck's Ansatz) zu besseren Ergebnissen geführt.